Es ist Sommer und der jährliche Ferienaufenthalt unserer Familie in Skandinavien steht kurz bevor. Nach den langen Wochen im häuslichen Umfeld ist die Freude riesig, das wir in unsere gewohnte Sommerfrische starten können. Seit einigen Wochen kreisen meine Gedanken um die Autorin Tove Jansson. Die finnische Schriftstellerin hat die zauberhafte Welt der Mumins erschaffen und seit nun schon 75 Jahren bereichern die kleinen Trolle die Kinderwelt. Anders als Pippi Langstrumpf, haben es die Mumins nicht wirklich geschafft in die Kinderzimmer außerhalb Skandinaviens einzuziehen. Als ich ganz Beiläufig meinen Mann fragte, ob er die Mumins kennt, so war die Antwort: „Ja, das sind doch die finnischen Nilpferde“. Es ist höchste Zeit das Bild des Jubilars ins rechte Licht zu rücken.
Tove Jansson wurde in Finnland geboren. Die Kreativität wurde ihr quasi in die Wiege gelegt und so wurde Tove nicht nur Schriftstellerin, sondern widmetet sich der Grafik und den Illustrationen ihrer Werke. Geschichte und Bilder sind eng miteinander verbunden und bilden einen ganz eigenen Kosmos.
Die schrecklichen Geschehnisse des Kriegs haben tiefe Spuren bei Tove Jansson hinterlassen. Ein Weg der Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse, war für die Autorin das Schreiben. 1945 erschien die erste Geschichte aus dem Mumintal. Im Mittelpunkt steht der kleine Troll Mumin. Der immer gutgelaunte Mumin schäumt über vor Begeisterungsfreude und Fantasie. Er liebt das Reisen und das Meer. Mumin liebt seine Familie, seine besten Freund Snufkin und das Snorkfräulein. Das Herz des Mumintals bildet die Muminmama mit einer feinen Prise Lebenskunst. Sie ist ruhig, gelassen und löst mit ihrer positiven Einstellung jedes Problem. Muminpapa ist ein Erzähler. Er lebt nach eigener Philosophie und ist ebenso abenteuerlustig wie der kleine Troll. Bei den Mumins leben das Snorkfräulein, Klein My, Snufkin und Sniff. Dazu gesellt sich ein buntes Volk von Hemulen, Homsas, Hatifnatten und Filifjonka.
Tove Jansson hat das erste Buch aus der Welt der Mumins 1945 veröffentlicht. Mumins lange Reise führt den kleine Troll und seine Mutter durch einen tiefen und dunklen Wald. Sie sind auf der Suche nach dem verschwundenen Muminpapa. Die beiden überstehen viele Gefahren und erleben spannende Abenteuer. Am Ziel erreichen sie ein wunderschönes Tal. Es ist schöner als alles, als was die beiden bis dahin gesehen haben und beschließen hier zu leben. Eine Geschichte mit glücklichem Ausgang. Sie finden Muminpapa und einen Ort zum glücklich sein.
Tove Jansson greift in dem Buch das Thema Verlust und Vertreibung auf. Gleichzeitig wird das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit in der Familie vermittelt. Die liebenswerten Figuren, die tatsächlich ein wenig einem Nilpferd ähneln, meistern jede Herausforderung im Familienverbund. Die Geschichten sind fantasievoll, ein wenig poetisch und ein erzählerisches Juwel. Am Ende steht eine Aussage. Kinderbücher sind immer ein Spiegel der Zeit und Tove Jansson hat ihre Kreativität genutzt, um ein Statement zu setzen.
Im Ferienhaus angekommen fällt mir ein Teller in die Hände, der ein Teil eines Kindersets ist. Der kleine Troll Mumin lächelt mich freundlich an. Er hat bestimmt schon mehreren Generationen das Frühstück versüßt und wird noch lange ein Teil unserer Gastfamilie sein.
Natürlich ist der Kinderbuchmarkt voll mit wunderbaren Bilderbüchern und Geschichten zum Vorlesen. Die Geschichten vom kleinen Mumin sind ein kleiner Schatz unter den Kinderbüchern. Die Figuren und das familiäre Glück sind zeitlos. Die Aussagen von Tove Jansson sind aktueller denn je.