Nur mal kurz die Ohren kraulen….oder wie ich Interesse für Bücher bei Babys wecke

Babys und Bücher zusammenzubringen, ist im Grunde kinderleicht und doch oft unglaublich schwierig. Im ersten Lebensjahr erkunden Kinder die Welt mit allen Sinnen. Babys schauen, fühlen, riechen und tasten. Babys schmecken gern und erkunden Gegenstände mit dem Mund. Eltern reagieren reflexartig und setzen genau hier eine Grenze. Grenzen sind gut und geben Kindern einen sicheren Rahmen. Und da wir alle zurzeit das unsichtbare Universum  aus Viren, Bakterien und Erregern kennenlernen, ist es ein guter Schutz, den Blick auf die Dinge zu richten, die in den Mund des Kindes wandern.

Doch schon die Zeit, bevor der Virus unter dem umgangssprachlichen Namen Corona unseren Alltag beeinflusst hat, haben viele Eltern bei Büchern eine große Vorsicht walten lassen. Aus Angst die stabilen Pappbilderbücher lösen sich unter Speichel auf oder die Ecken des Buches fallen dem ersten Zahn zum Opfer, werden Bücher in einem sicheren Versteck gehortet. Ich liebe Bücher und auch mir kommen die Tränen, sollte meinen geliebten Schätzen aus Papier ein Schaden zugefügt werden….aber ein Buch verspricht nur dann großes Glück, wenn es gelesen und betrachtet wird.

Viele Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die schon ganz früh mit dem Umgang mit Büchern vertraut gemacht worden sind, leichter lesen lernen. Der Umgang mit einem Buch ist vertraut, Buchstaben sind nicht fremd und das Wissen, um die fantastischen Geschichten hinter den Wörtern ist verankert. Vorlesen und Erzählen schon vor dem Laufen lernen, bildet bei Kindern ein gutes Sprachvermögen aus und ermöglicht dem Kind einen sicheren Wortschatz aufzubauen. Dieses Wissen über den Wert, den die Beschäftigung mit Büchern hat, sollte uns alle darüber hinwegsehenlassen, dass besonders geliebte Bücher, auch genauso aussehen….nämlich geliebt und von gemeinsamer Elter-Kind-Zeit erzählen.

Wie beginne ich mit dem Vorlesen?

Zunächst müssen sich Eltern von der Illusion verabschieden, allabendlich das große Märchenbuch aufzuklappen und eine halbe Stunde vorzulesen. Ein Buch sollte altergerecht ausgesucht werden und zu Beginn wenig Text haben. Im Vordergrung steht das Betrachten und Erzählen. Zu Beginn ist nicht einmal eine große Auswahl notwendig, viele Kinder genießen es , über einen langen Zeitraum immer wieder das gleiche Buch anzuschauen.

Den Buchmarkt erobert haben sogenannte Mitmachbücher. Mitmachpappen oder ähnliche Begriffe deuten auf den Inhalt. Eine besonders schöne Reihe ist Jörg Mühle mit dem Hasenkind gelungen.

 

 

Nur noch kurz die Ohren kraulen?

… ist ein schöner Einstieg für das Einschlafritual am Abend. Denn auch Hasenkind geht schlafen und putzt sich die Zähne, zieht sich den Schlafanzug an, Küsschen, Ohren Kraulen und schließlich wird das Licht ausgeknipst.

Das Besondere ist, dass Eltern und Kinder Hasenkind aktiv unterstützen. Kinder knüpfen Verbindungen zwischen Handlungen und Wörtern und Eltern dürfen Erzählen und Hasenkind ins Bett bringen. In weiteren Büchern erlebt Hasenkind einen Badetag und braucht auch mal ein Pflaster.

Ich persönlich schätze, die Idee hinter den Büchern sehr. Mitmachbücher schenken die Möglichkeit, einem Buch einen ganz persönlichen Charakter zu geben.

Wichtig für die ersten Berührungen zwischen Kindern und Büchern, ist das gemeinsame Betrachten. Babys und Kleinkinder werden keine Beziehung zu Büchern aufbauen, wenn Eltern ihnen die Bücher in die Hand geben. Ein Bilderbuch ist Inhalt und weit mehr als zusammengeleimtes Papier. Bei Büchern geht es um das entdecken. Wimmelbücher benötigen keinen Text. Die Geschichten erzählt der Betrachter. Nur wer die Seiten aufschlägt, wird zum Erzähler.

Ein wichtiger Aspekt des Vorlesens ist die Verbindung, die zwischen Eltern und Kindern entsteht. Vorlesen ist der Moment der Nähe. Vorlesen ist die Zeit, in der das Kind die ungeteilte Aufmerksamkeit erhält. Vorlesen schafft positive Erinnerungen und baut die freudige Erwartung auf das erste selbst gelesene Buch auf.

 

 

 

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