Wenn Kinder beginnen die Welt um sich herum zu entdecken, dann beginnt in der Regel die erste Zeit der Schrammen und Blessuren. Und egal wie sehr Eltern achtgeben, es passiert schnell und ohne Vorwarnung. Glücklicherweise sind die meisten Stürze oder Kopfstöße an Tischkanten harmlos und bleiben ohne größere Verletzungen. Und um einmal etwas herzlos zu sein, Stürze gehören beim Laufen lernen dazu. Eltern können sich noch so sehr kümmern, die ersten Schritte können sie ihrem Kind nicht abnehmen. Und das sollen Eltern auch nicht. Gehversuche sind ein wichtiger Entwicklungsschritt und leider gehört so mancher Sturz dazu. Nichtsdestotrotz ist ein Fall schmerzhaft und Bedarf des Tröstens.
Doch wie tröste ich richtig?
Ich bin ein Kind der 70er, aufstehen und weitergehen war das Motto. Von „Es ist nicht so schlimm“ bis „Stell dich nicht so an“ waren noch gängige Sätze, wenn die Knie aufgeschrammt waren. Ich erinnere mich an eine Situation in der sich meine Haare im Mantelknopf meiner Oma verheddert haben. Rigoros wurde gezogen und mein folgender Aufschrei wurde mit „Das hat Oma nicht mit Absicht gemacht, also stell dich nicht an“ quittiert. Bis heute ziept es an der Stelle, an der das Büschel Haare herausgerissen wurde, wenn ich an die Situation denke. Gern wurde ein Unfall auch mit „selber Schuld“ abgetan. Eine blutende Stelle war „bis du heiratest wieder weg“. Das klingt sehr hart, war aus heutiger Sichtweise auch, aber eins haben meine Eltern nie gemacht: Sie haben mich mit übertriebener Vorsicht vor den spannenden Dingen des Lebens zurückgehalten.
Trösten geht auf jeden Fall anders!
Natürlich haben Eltern häufig den Eindruck, dass der Schmerz bei wildem Geschrei nicht im Vordergrund steht. Ist das Kind nach äußeren Verletzungen abgesucht und nirgends eine blutende Stelle, so tritt Beruhigung ein. Dennoch wissen wir alle: Ein Stoß an der Tischkante tut weh. Und viel schlimmer ist noch der damit scheinbare Misserfolg für das Kind. Doch auch Situationen wie der Besuch beim Kinderarzt, Impfen oder einfach Bauchweh fordern Aufmerksamkeit.
Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie unverstanden sich ein Kind fühlt, wird der Schmerz abgetan. Nehmen Sie den Schmerz ernst. Aber lenken Sie ihr Kind auch ab. Kann das Kind noch winken, mit den Augen zwinkern oder mit den Füßen wackeln ?
Hilfreich kann auch ein Fingerspiel sein.
Spielen Sie zum Beispiel „Das ist der Daumen“ so können Sie und ihr Kind am Ende beruhigt vermelden, dass alle Finger noch da sind.
Also:
Das ist der Daumen
der schüttelt die Pflaumen
der hebt sie auf
der trägt sie nach Haus
Und der kleine Schlingel isst sie alle auf.
Berühren Sie nacheinander alle Finger der Hand
Überlegen Sie sich einen Ablauf was Sie nach einem kleinen Sturz machen können. Eine Beule kann gut mit einem großen Löffel gekühlt werden. Eine Schramme mit einem coolen Zauberpflaster beklebt werden. Die Schrammen verheilen und Beulen bilden sich zurück. Aber ermuntern Sie Kinder immer wieder nicht aufzugeben. Und auch wenn ein Kind sich gegen die Regeln der Familie verhalten hat und vielleicht durch Hopsen auf dem Sofa gestürzt ist. Der Schmerz ist der gleiche, egal wie er zustande gekommen ist.
Anders ist ein Besuch beim Kinderarzt. Wird zusätzlich geimpft kann sich der Besuch sehr negativ in den Erinnerungen des Kindes verankern. Eltern kennen den kurzen Moment des Spritze gebens. Bei meinen Töchtern verlief der Impftermin immer tränenreich. Ich habe den Tag immer mit einer Belohnung verknüpft, ich finde das solche außergewöhnlichen Situationen auch mit einem Extra verbunden sein können.
Doch was ist Bauchweh?
Es gibt Kinder ,die häufig Bauchweh haben. Das kann damit zusammenhängen, dass Kinder andere Schmerzen noch nicht benennen können oder das es ein diffuses Unwohlsein ist, das sich mit Bauchweh am besten beschreiben lässt. Häufige Bauchschmerzen sollten unbedingt beobachtet werden und vom Arzt untersucht werden. Manchmal steckt mehr dahinter. Morgendliche Bauchschmerzen vor dem Start in die Krippe oder den Kindergarten können viele Ursachen haben. Kinder reagieren auf Stress und Hektik sehr empfindlich und eine Reaktion darauf können Bauchschmerzen sein.
Ein kuscheliger Moment hilft in der Regel, eine Wäremflasche, eine vertraute Decke und vieleicht ein Buch trösten über das Unwohlsein hinweg. Ein sehr schönes Buch für diesen Moment ist das Bilderbuch „Der Hummer hat Kummer“, das ich in meinem Blog ausführlich vorstelle.
Und wenn Ihnen einmal die Worte fehlen einen Umarmung und einmal fest drücken ist immer ein guter Anfang.