Frühförderung ist in aller Munde. Täglich neue Schreckensnachrichten berichten von Kindern, die schlecht lesen, kaum die Regeln der Rechtschreibung beherrschen und über Mathematik und Naturwissenschaften liegt der dunkle Schatten der Ahnungslosigkeit.
Doch warum ist das so?
Ist unser Bildungssystem überholt? Sind unsere Lehrer überfordert? Zeigen Eltern zu wenig Interesse? Sind alle Kinder unkonzentrierte Zappelmonster?
Die Suche nach der Ursache ist wichtig, um sie zu beheben. Es sind sicher verschiedene Gründe, die zum Absinken des Bildungsniveaus führen. Eine öffentliche Diskussion ist dringend notwendig, hilfsloses Schuldzuweisen löst aber gleichzeitig Unsicherheit bei Eltern aus. Frühförderung ist ein wichtiges Thema, nicht nur bei Eltern, die nichts dem Zufall überlassen wollen.
Ich bin kein Befürworter von Programmen, die schon bei Kindern für volle Terminkalender sorgen und die Kindern mehr abverlangen als es der natürlichen Entwicklung entspricht. Ich bin auch kein Liebhaber von Vergleichen. Ob ein Kind mit zehn, zwölf oder fünfzehn Monaten die ersten Schritte wagt, entscheidet zum Glück das Kind.
Vor einiger Zeit bin ich auf ein Seminarthema gestoßen, das sich auf Bilderbücher zum Thema MINT bezog. Mein erster Gedanke war: “ Ach je, bitte nicht auch noch!“
MINT ist die Abkürzung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Ein Bereich, in dem unsere Kinder im internationalen Vergleich schlecht abschneiden.
Ich habe dann dieses Seminar besucht und war doch überrascht. Keine speziellen Bücher, um schon die Jüngsten auf Naturwissenschaften zu prägen. Bilderbücher, die auch mich schon durch die Kindheit begleitet haben, wurden lediglich einer Kategorie zugeordnet.
„Die kleine Raupe Nimmersatt“ ist ein Buch, das einen spannenden Vorgang in der Natur beschreibt und ganz nebenbei Wochentage vermittelt. Gezählt wird in dem Buch von Eric Carle auch, Pflaumen, Erdbeeren und alle Dinge, die die kleine Raupe verschlingt. Natürlich geben zahlreiche Bücher über Baustellen, Fahrzeuge und Feuerwehr einen technischen Einblick, ich habe lediglich den Bezug nicht geknüpft. Ob Zoo, Garten, Wald oder Strand – auf stabilen Pappseiten werden Kindern Lebensräume von Tieren gezeigt.
Also doch MINT im Kinderzimmer?
Bitte ja, ganz viel. Schauen Sie mit Ihren Kindern Bücher an und erzählen Sie von Kühen, Schweinen und Fischen. Viele Bücher haben Schiebeelemente und erhöhen den Anreiz etwas zu entdecken.
Und noch einen Bitte: Legen Sie Geschlechterdenken ab. Ja, es gibt Themen, die Jungs spannend finden, und ja, auch Mädchen können sich für Feuerwehr und Bagger begeistern.